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SP Frauen Power Winterthur

SP Frauen Power Winterthur 15.12.03

Persönliche Erklärung von Gemeinderätin Gabriella Schmid zur Gleichberechtigung, zum Gleichstellungspreis und den Bundesratswahlen vom 10. 12. 2003

Vor noch nicht langer Zeit haben wir im GGR über die Abschaffung des städtischen Gleichstellungspreises diskutiert. Dabei ist von bürgerlicher Seite betont worden, dass der Preis heute gar nicht mehr nötig sei, da die Gleichstellung zwischen den Geschlechtern inzwischen überall umgesetzt worden sei.

Am letzten Mittwoch, bei den Bundesratswahlen, haben wir wieder einmal auf eindrückliche Art und Weise erlebt, was in der Schweiz des 21. Jahrhunderts Gleichstellung von Frau und Mann in der Realität bedeutet: Obwohl 52% der Bevölkerung weiblich sind, hat es die vereinigte Bundesversammlung tatsächlich fertig gebracht, eine Frau, die notabene ihre Arbeit gut gemacht hat, abzuwählen und an ihrer Stelle mit Christoph Blocher einen Mann zu wählen, der erklärtermassen gegen die Interessen von Frauen politisiert (ich erinnere an sein - glücklicherweise erfolgloses - Engagement damals gegen das neue Eherecht, das die Frauen besser stellen sollte und seinen Kampf gegen eine Mutterschaftsversicherung um nur zwei Beispiele zu nennen).

Und mit der Wahl von Hans-Rudolf Merz anstelle von Christine Beerli hat die Mehrheit der Bundesversammlung eiskalt in Kauf genommen, dass erneut nur noch eine einzige Frau in der Landesregierung vertreten ist. Man hat diesmal besonders viel von Konkordanz und einer gerechten Verteilung aller gesellschaftlichen und regionalen Kräfte in der Regierung gesprochen im Vorfeld der Wahlen, aber über 50% der schweizerischen Bevölkerung sind nun einmal mehr absolut untervertreten in der Landesregierung!

Meine Damen und Herren, ich und mit mir viele andere Bürgerinnen und auch Bürger dieses Landes sind empört und wütend über diese Demonstration männlicher Arroganz und Ignoranz, wie auch die zahlreichen Demonstrationen in den Tagen nach den Bundesratswahlen gezeigt haben.

In dieses Bild von patriarchalem Machtmissbrauch und Frauendiskriminierung passen übrigens auch die neusten Zahlen des Bundesamtes für Statistik über die Frauen- und Männerlöhne in der Schweiz. In der Lohnstrukturerhebung 2002, die im November publiziert worden ist, zeigt sich, dass Frauen über die gesamte Wirtschaft gesehen im Durchschnitt immer noch 20, 7% weniger verdient haben als ihre männlichen Kollegen.

Innerhalb derselben Branche werden Frauen bei gleichem Bildungsstand, Anforderungsniveau des Arbeitsplatzes und hierarchischem Rang nach wie vor systematisch schlechter entlöhnt als Männer. Zum Beispiel verdienen Frauen mit universitärer Ausbildung in der Position eines obersten Kaders durchschnittlich 29, 8% weniger als Männer mit demselben Profil. Soviel zur angeblichen Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsplatz!

Meine Damen und Herren, ich bin nicht bereit, diese Tatsachen einfach so hinzunehmen. Frauen machen die Hälfte der Menschheit aus, Frauen sind mindestens so intelligent wie Männer und ebenso gut ausgebildet, Frauen leisten den weitaus grössten Teil der unbezahlten gesellschaftlichen Reproduktionsarbeit, ohne uns Frauen würde eine Gesellschaft nicht funktionieren.

Wir haben ein Anrecht darauf, gleich viel zu verdienen wie unsere männlichen Kollegen, und angemessen vertreten zu sein in allen wichtigen Gremien, vor allem auch in der Bundesregierung! Solange das nicht der Fall ist, werden wir mit aller Vehemenz weiter kämpfen und uns nicht abspeisen lassen mit fadenscheinigen und rückwärtsgewandten Argumenten und billigen Trostplästerli. Wir werden nicht aufgeben, uns gegen diese Ungerechtigkeiten zu wehren, auch wenn dann vielleicht wieder ein paar rechtsbürgerliche und konservative Frauen, uns "ewiges Gejammer" vorwerfen, wie das damals bei der Debatte um die Abschaffung des Gleichstellungspreises da im Rat der Fall war.

Es geht nach dem schwarzen 10 Dezember 2003 schlicht darum, mit neuem Power um die Einforderung des verfassungsmässig verbrieften Rechtes auf die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern und um echte Chancengleichheit zu kämpfen. Dafür werden sich ab jetzt noch viel mehr Frauen, auch viele bürgerliche, mit aller Kraft einsetzen, auch und vor allem solche, die bisher geduldig darauf vertraut haben, dass mit der Zeit und etwas gutem Willen der Männer von selber alles gut werden wird.

Aber auch sie haben spätestens jetzt die bittere Lektion lernen müssen, dass Gerechtigkeit nicht einfach von selber kommt, sondern dass wir dafür mit aller Kraft kämpfen müssen! Und das bedeutet auch, immer und immer wieder auf diese Tatsachen und unsere Forderungen hinzuweisen, so lange, bis es den Herren zuviel wird und sie gar nicht mehr anders können, als uns Frauen endlich die Hälfte der Macht abzutreten!

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