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SP Frauen Power Winterthur

SP Frauen Power Winterthur 25.08.2003

Votum von Gemeinderätin Gabriella Schmid gegen die Abschaffung des Gleichstellungspreises

Im Namen der SP-Fraktion stelle ich hiermit den Ablehnungsantrag zum vorliegenden Postulat. Und im übrigen möchte ich Frau Rikli nahelegen, ihr Postulat selbst zurück zu ziehen, denn sie rennt damit ja offensichtlich offene Türen ein. Wie wir seit letztem Donnerstag wissen, will der Stadtrat im Rahmen seines Sparprogrammes Win03 von sich aus auf den Gleichstellungspreis verzichten.

Die SP-Fraktion ist natürlich klar gegen die Abschaffung diese Preises, weil das ein völlig falsches politisches Signal wäre. Wir sind überhaupt nicht der Meinung, dass der Preis nicht nötig sei, wie die Postulantin schreibt.

Nicht zum ersten Mal weise ich in diesem Rat darauf hin, dass wir trotz Gleichstellungsgesetz von einer echten, faktischen Gleichstellung zwischen Frauen und Männern noch weit entfernt sind.

Auch heute noch bestimmt das Geschlecht eines Menschen immer noch massgeblich über seine Chancen im Leben, über die Berufswahl, die ausgeübte Tätigkeit, die Bezahlung, die Aufstiegschancen und nicht zuletzt auch die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit. Wir wissen z. B. alle, dass der Frauenanteil in den meisten Betrieben in den oberen Hierarchiestufen deutlich abnimmt, auch heute noch, oder dass Frauen durchschnittlich 25-30% weniger verdienen als Männer.

Während Anfang der 90er Jahre im Bereich der Gleichstellung der Geschlechter echte Fortschritte zu verzeichnen waren, ist es in den letzten Jahren, vor allem auch im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Rezession und der hohen Arbeitslosigkeit, zu einem starken Rückschlag für die Frauen gekommen. Neuere Forschungen weisen darauf hin, dass zwar in der zunehmend technologisierten Arbeitswelt die Anforderungen an Frauen und Männer inzwischen vielfach gleich sind, dass aber die Problematik der ungleich verteilten unbezahlten Arbeit, der Hausarbeit und Kindererziehung, immer mehr in den Privatbereich abgedrängt wird.

Dem Thema Chancengleichheit von Frauen und Männern wird heute leider nicht mehr viel Bedeutung beigemessen, und bereits Erreichtes läuft Gefahr, wieder zu verschwinden oder ist bereits verschwunden. Erst kürzlich hat eine UNO-Delegation die Schweiz dafür gerügt, dass sie in Sachen Gleichstellung der Geschlechter noch weit hinter dem zurückliegt, wofür sie sich in der UNO-Deklaration zu Frauenrechten verpflichtet hat.

Die Abschaffung der Gleichstellungspreises wäre ein weiterer Schritt hin zur Resignation und zur Akzeptanz von geschlechtlicher Ungleichheit und damit Ungerechtigkeit. Auch wenn dieser Preis die Welt natürlich nicht grundsätzlich verändern konnte, so bedeutet er doch ein wichtiges Signal dafür, dass die Stadt Winterthur dazu beitragen will, die Gleichstellung der Geschlechter weiter zu fördern bzw. denjenigen einen Anreiz zu geben, die bereits diesen Weg eingeschlagen haben, weiter zu machen.

Dass in letzter Zeit nur wenig geeignete Projekte eingereicht wurden, hat nichts mit mangelndem Interesse zu tun, sondern - wie ein Mitglied der Jury kürzlich der Presse bestätigte - mit dem sehr engen Kriterienkatalog, der vor 10 Jahren aufgestellt worden und heute wohl nicht mehr zeitgemäss ist. Es geht also jetzt darum, diesen Kriterienkatalog zu überdenken und den neuen Gegebenheiten anzupassen, und nicht einfach das Kind mit dem Bade auszuschütten und gleich den ganzen Preis einfach abzuschaffen.

In diesem Sinn bitte ich Sie, meinen Ablehnungsantrag zu unterstützen und der Preisjury damit die Chance zu geben, von sich aus entsprechende Anpassungen vorzunehmen, damit der Gleichstellungspreis den heutigen Gegebenheiten angepasst werden kann. Besten Dank.

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