Die vaterlose Gesellschaft wird zu einem zunehmenden Problem der heutigen Zeit
Düsteres Bild der Gleichstellung
von Cécile Krebs, SP Kantonsrätin, Delegierte SP Winterthur Gender-Mainstreaming-Kommission
Vor einem Monat sah ich den Film "In America". Christy die älteste Tochter des Ehepaars Sarah und Johnny, hatte zu Beginn des Filmes drei offene Wünsche, die selbstverständlich im Film in Erfüllung gingen. In der Gleichstellung von Frau und Mann geht es nicht um offene Wünsche, sondern um die Umsetzung des Artikels 8 Absatz 3 der Bundesverfassung: "Mann und Frau sind gleichberechtigt. Das Gesetz sorgt für ihre Gleichstellung, vor allem in Familie, Ausbildung und Arbeit. Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit."
Die Versuche einer Implementierung von Gleichstellung bewahrheitet ein düsteres Bild der Realität.
Das Bild, welches sich von den Bundesratswahlen am 10. Dezember 2003 manifestiert hat, ist gekennzeichnet von: Patriarchat, Männlichkeit, hohem Alter und plakativen Aussagen, die stets Schuldzuweisungen zum Ziel haben. Das Werkzeug dieser Männer birgt keine humanistischen Grundwerte in sich. Die Demographie der Geburtenzahl wird ignoriert und zuletzt verleugnet. Die Tatsache war auch im Dezember 2003 einmal mehr, das Männer unter den Beweiss gestellt hatten, dass sie sich als mächtig bezeichnen, indem sie den statistisch belegten Frauenanteil von über 50% ebenfalls erfolgreich ignorieren wollen. Doch Ausgrenzung hat in der menschlichen Geschichte noch nie Grenzen abgebaut, sondern die Ausgrenzung ist der Nährboden für eine sichere Verhärtung der Fronten.
Auch der Arbeitgeberverband hat nun endlich erkannt, dass die Gleichstellung nur durch Infrastrukturen, wie genügende familienergänzende Kinderbetreuungsmöglichkeiten, Tagesschulen gehören hier selbstverständlich dazu, umgesetzt werden kann. Kinder haben und kriegen ist keine Privatsache und das Kapital unserer Gesellschaft sind die Kinder, investieren wir in sie! Sinken die Geburtenzahlen in der Schweiz in der gleichen Progressivität weiter, sind wir schon bald vom Aussterben bedroht (Weltwoche Nummer 8 2003 "Dem alten Kontinent fehlen die Jungen") noch anders ausgesagt: Die von der Rechten so stark gefürchteten Ausländer, übernehmen die Landesverteidigung, denn hierfür könnten uns schon bald die Kinder unseres Vaterlandes fehlen.
Die Anteile von Frauen an den Universitäten und Hochschulen ist über 50%. Doch die gut ausgebildeten Frauen haben es schwierig, Karriere zu machen. Sie sind in der Wirtschaft und der Verwaltung in Kaderpositionen exorbitant untervertreten. Das Humankapital, die Investitionen des Staates und das akademische Wissen der gut ausgebildeten Frauen geht der Gesellschaft verloren. Dies ist volkswirtschaftlich gesehen nicht förderlich für einen konjunkturellen Aufschwung.
Für mich ist der Gedanke von Integration des Gleichstellungsartikels in allen gesellschaftlichen Ebenen sowie in der Frauenbewegung ein sehr wichtiger. Nicht das ich als Frau nach "integriert werden" schreie, nein! Mir geht es:
- Um die Nutzung zweier Gedanken- und Gefühlssysteme, die nicht gegeneinander ausgespielt werden dürfen, sondern dass da Synergien und Qualitäten genutzt und in die verschiedenen Systeme des menschlichen Daseins integrierte werden müssen.
- Um die Umsetzung des Gleichstellungsartikels in der Bundesverfassung, die Gleichstellung von Frau und Mann.
- Darum, dass sich auch Männer zu emanzipieren beginnen indem: Männer und Väter sich an der Kindererziehung beteiligen, indem sie Verantwortung auf der qualitativen und quantitativen Ebene übernehmen.
Als Frau fühle ich mich nicht auf das Kinder kriegen können reduziert. Die vaterlose Gesellschaft wird zu einem zunehmenden grossen Problem in der Gesellschaft.
Somit fordere ich: Grundvoraussetzungen für die Entwicklung beider Geschlechter, genügend familienergänzende Kinderbetreuungsmöglichkeiten, gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit, Teilzeitstellen auch in Kaderpositionen und das die Gleichstellung von Frau und Mann in der politischen Entwicklung, sowohl bei operativen als auch bei strategischen Ausrichtungen als Grundlage für das Treffen von Entscheidungen eingesetzt wird.
Wenn wir kein Ende ohne deklarierte Zukunftsvarianten wollen, müssen wir dringend Gender Management in die Unternehmenspolitik integrieren und zum Bestandteil des normalen Planungs- und Steuerungsprozesses machen. Die Kommunikationskultur muss eingebunden und mit Kompetenzen ausgestattet werden durch Gleichstellungsbeauftragte. Existenzsichernde Einkommen für beide Geschlechter, die den Frauen und Männer die Wahlfreiheit durch subjektive Empfindungen für die Familien- und Erwerbsarbeit zulässt. Diese Diskussionen, die letzten Endes zur Lösungsfindung der verschiedenen Verantwortungsgebiete für die Erwerbs- und Familienarbeit ergeben, müssen so geführt werden können, dass dies nicht ausschliesslich auf die Kosten der Wahlfreiheit von Frauen basiert.
Die Gleichstellung von Frau und Mann erliegt immer wieder, indem in politischen Entscheiden die Fragen der Geschlechtergerechtigkeit des Gender Management nicht gestellt werden und daher ausgrenzende oder sogar verfassungswidrige Entscheide gefällt werden. Die Politik muss endlich positive Ziele für die Gleichstellung von Frauen und Männer deklarieren und Grundlagen für deren Umsetzung schaffen.
Card Blanche Internationaler Frauentag 8. März: Stadtblatt, 4. März 2004
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