Fraktionserklärung zur finanziellen Unterstützung des Handball-Clubs Pfadi

SP Winterthur

Am 23.6. hat der Stadtrat in einer dürren Medienmitteilung mitgeteilt, dass er den Handballverein Pfadi Winterthur mit Fr. 100'000 unterstützt, verteilt über die nächsten Jahre. Es ist festzuhalten: Handball ist ein wichtiger Sport und Pfadi Winterthur verdient Anerkennung für seine Nachwuchsförderung.

Aber: Der finanzielle Entscheid des Stadtrates steht angesichts der drastischen Balance-Sparmassnahmen der Stadt quer in der Landschaft. Der Landbote hat zu Recht getitelt: Der Stadtrat sündigt für Pfadi. Und es fragt sich angesichts der Nähe einzelner Mitglieder des Stadtrates und weiterer bürgerlicher Politiker, ob da die nötige Objektivität beim Entscheid vorhanden war.

Erstens: Der Entscheid schafft ein gefährliches Präjudiz. Viele andere Vereine sind auch sehr wertvoll für Winterthur und machen auch gute Nachwuchsförderung. Diese Vereine und Sportorganisationen werden zu Recht die ungleiche Behandlung anprangern. Und: Eilt der Stadtrat diesen auch zu Hilfe, wenn sie - wie Pfadi - die Finanzen nicht im Griff haben und auf den Konkurs zusteuern?

Zweitens: Wie ordnet der Stadtrat den Pfadi-Entscheid in die Finanzpolitik und insbesondere ins laufende Sanierungsprogramm Balance ein? Die Bevölkerung von Winterthur spürt die Sanierungsmassnahmen: Abgeschraubte Bänklein, Abbau Verkehrslotsen, Verzicht Beitrag an Voliere, überall Gebührenerhöhungen, Steuererhöhung, etc. Wie erklärt der Stadtrat den Leuten seinen Entscheid, Pfadi grosszügig zu unterstützen?

Drittens: Es fällt auf, dass zwei Stadträte im Verein Pro Pfadi Handball Mitglied sind, Josef Lisibach und Barbara Günthard-Maier. Gemäss Statuten erhalten die Mitglieder zahlreiche Vergünstigungen, 2 gratis Saisonkarten, gratis Lunchs, VIP-Behandlung etc. Es ist natürlich begrüssenswert, dass Stadträte einen Sportverein privat unterstützen. Aber gerade bei einer solchen Nähe sind dann Entscheide besonders heikel. Eine neutrale Sicht von Aussen wäre wichtig gewesen. Wir hätten es begrüsst, wenn der Stadtrat vor dem Entscheid die zuständige Kommission BSKK einbezogen hätte. Für mich stellt sich auch die Frage, ob diese zwei Stadtratsmitglieder bei der Beratung des Geschäfts im Stadtrat in den Ausstand getreten sind.

Wir fordern den Stadtrat auf, Klarheit zu schaffen: Wie wurde die Ausstandsproblematik gehandhabt? Wann schafft Pfadi gegenüber der Öffentlichkeit Transparenz und gibt Auskunft über die Löhne (vgl. Landbote: Das Lohnbudget wird nicht ausgewiesen) und über die Kosten der Sanierungsmassnahmen durch die Firma Pricewaterhouse? Und, ganz wichtig: Wie erklärt der Stadtrat den anderen Vereinen und Organisationen, warum man gerade Pfadi bevorzugt?

 

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